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Startseite/Scheidung Online/Wie kann ich verhindern, dass mein Ex alles bekommt?

Wie kann ich verhindern, dass mein Ex alles bekommt?

12. April 2026

Die Angst, bei der Scheidung alles zu verlieren, ist weit verbreitet – aber in den meisten Fällen unbegründet. Das deutsche Recht sieht eine gerechte Aufteilung vor, kein „Alles oder Nichts”. Als Fachanwältin erkläre ich, wie die Vermögensaufteilung wirklich funktioniert und wie Sie sich schützen.

Das Wichtigste zuerst: Ihr Vermögen bleibt Ihres

Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§ 1363 BGB) wird das Vermögen der Ehegatten nicht automatisch gemeinsames Eigentum. Jeder Ehegatte bleibt Eigentümer dessen, was er vor und während der Ehe erworben hat (§ 1364 BGB). Bei der Scheidung wird nur der Zugewinn ausgeglichen – also der Vermögenszuwachs während der Ehe.

Wie der Zugewinnausgleich funktioniert

Ausgeglichen wird nur die Differenz der Zugewinne: Wer während der Ehe mehr Vermögen aufgebaut hat, zahlt dem anderen die Hälfte der Differenz (§ 1378 Abs. 1 BGB). Vermögen, das Sie mit in die Ehe gebracht haben, bleibt unberührt. Erbschaften und Schenkungen während der Ehe werden dem Anfangsvermögen zugerechnet und fallen damit ebenfalls nicht in den Ausgleich (§ 1374 Abs. 2 BGB).

Schutzmaßnahmen für Ihr Vermögen

1. Vermögensaufstellung erstellen: Dokumentieren Sie Ihr Anfangsvermögen zum Zeitpunkt der Eheschließung und Ihr aktuelles Vermögen. Ohne Nachweis des Anfangsvermögens wird es mit null angesetzt (§ 1377 Abs. 3 BGB) – was Ihren Zugewinn künstlich erhöht.

2. Auskunftsanspruch nutzen: Sie haben das Recht, vom Ehegatten vollständige Auskunft über dessen Vermögen zu verlangen – sowohl zum Trennungszeitpunkt als auch zum Stichtag des Endvermögens (§ 1379 BGB). Nutzen Sie dieses Recht konsequent.

3. Illoyale Vermögensminderung aufdecken: Hat Ihr Ehegatte nach der Trennung Vermögen beiseitegeschafft, verschwendet oder verschenkt, wird dieser Betrag dem Endvermögen wieder zugerechnet (§ 1375 Abs. 2 BGB). Auch unentgeltliche Zuwendungen an Dritte in den letzten zehn Jahren vor Zustellung des Scheidungsantrags können berücksichtigt werden.

4. Ehevertrag: Ein nachträglicher Ehevertrag ist auch nach der Trennung noch möglich (§ 1408 BGB). Darin können Sie den Zugewinnausgleich modifizieren oder ausschließen. Der Vertrag bedarf der notariellen Beurkundung (§ 1410 BGB).

5. Vorzeitiger Zugewinnausgleich: Bei konkreter Gefahr der Vermögensverschwendung können Sie den vorzeitigen Zugewinnausgleich beantragen (§ 1385 BGB). Dies ist möglich, wenn der andere Ehegatte Vermögen ohne Ihre Zustimmung verschiebt oder wenn eine längere Trennung besteht.

Sonderfälle: Was nicht geteilt wird

Folgende Vermögenswerte fallen nicht in den Zugewinnausgleich: Vermögen, das vor der Ehe vorhanden war (es ist Anfangsvermögen), Erbschaften und Schenkungen während der Ehe (§ 1374 Abs. 2 BGB), persönliche Gegenstände und Hausrat (dieser wird separat nach der Hausratsverordnung aufgeteilt), sowie Schmerzensgeld und Entschädigungsansprüche.

Allerdings: Wertsteigerungen geerbter oder geschenkter Vermögensgegenstände während der Ehe fallen in den Zugewinn. Wenn Sie beispielsweise eine Immobilie im Wert von 200.000 € geerbt haben und diese bei Scheidung 300.000 € wert ist, fallen die 100.000 € Wertsteigerung in den Zugewinnausgleich.

Wichtig: Vermögensverschiebungen nach der Trennung sind riskant und oft kontraproduktiv. Das Gesetz schützt den anderen Ehegatten durch den Auskunftsanspruch zum Trennungszeitpunkt (§ 1379 Abs. 2 BGB) und die Zurechnung illoyaler Vermögensminderungen (§ 1375 Abs. 2 BGB). Wer Vermögen beiseiteschafft, riskiert zudem das Vertrauen des Gerichts.

Fazit von Fachanwältin Antje Kaschube

Das deutsche Güterrecht ist differenzierter, als viele befürchten. Ihr Ehegatte bekommt nicht „alles” – sondern maximal die Hälfte des Vermögenszuwachses während der Ehe. Schützen Sie sich, indem Sie Ihr Anfangsvermögen dokumentieren, Ihren Auskunftsanspruch konsequent nutzen und sich frühzeitig beraten lassen. Panik ist kein guter Ratgeber – fundierte Rechtskenntnis schon.

Rechtsquellen

  • §§ 1363–1390 BGB – Zugewinngemeinschaft
  • § 1374 BGB – Anfangsvermögen und privilegierter Erwerb
  • § 1375 BGB – Endvermögen und illoyale Vermögensminderung
  • § 1378 BGB – Ausgleichsforderung
  • § 1379 BGB – Auskunftspflicht
  • § 1385 BGB – Vorzeitiger Zugewinnausgleich
  • § 1408 BGB – Ehevertrag

© 2026 Antje Kaschube – Fachanwältin für Familienrecht | Ehe-Scheidung-Online.de

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Häufig gestellte Fragen

+ Wie lange dauert eine Scheidung?

Eine einvernehmliche Scheidung dauert in der Regel 3-6 Monate. Bei strittigen Verfahren kann es 12-24 Monate oder länger dauern. Die Dauer hängt von der Komplexität und Kooperation der Parteien ab.

+ Welche Unterhaltsansprüche habe ich?

Nach § 1569 BGB haben Sie Anspruch auf Trennungsunterhalt. Die Höhe richtet sich nach den Einkommen und wird nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet. Nach der Scheidung besteht ein Unterhaltsanspruch nur unter bestimmten Voraussetzungen (§ 1570-1576 BGB).

+ Wie wird das Vermögen aufgeteilt?

Der Zugewinn wird nach §§ 1371-1390 BGB aufgeteilt. Jeder Ehegatte hat Anspruch auf Ausgleich des Zugewinns, der während der Ehe erwirtschaftet wurde. Das Vermögen wird nach den Marktpreisen bewertet.

+ Wer bekommt die Kinder?

Das Sorgerecht wird nach § 1626 BGB entschieden. Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle. Die Eltern können eine gemeinsame Sorge vereinbaren oder das Gericht entscheidet. Ein Elternteil kann das alleinige Sorgerecht erhalten, wenn es dem Kindswohl dient.

+ Was kostet eine Scheidung?

Die Kosten richten sich nach der RVG (§ 13 Abs. 1) und den Gerichtsgebühren nach GKG. Eine einvernehmliche Scheidung kostet 500-2.000 EUR. Strittige Verfahren können erheblich teurer sein. Nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner!

+ Was ist der Versorgungsausgleich?

Bei jeder Ehescheidung prüft das Familiengericht den Versorgungsausgleich – die Aufteilung der während der Ehe erworbenen Rentenansprüche. Gesetzliche Rente, Betriebsrenten und private Altersvorsorge werden hälftig geteilt. Der Versorgungsausgleich beeinflusst Dauer und Kosten Ihres Scheidungsverfahrens erheblich. Informieren Sie sich frühzeitig über Ihre Möglichkeiten, auch über vertragliche Vereinbarungen.

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Häufig gestellte Fragen

Funktioniert die Online-Scheidung wirklich ohne persönlichen Kanzleibesuch?
Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Die mündliche Verhandlung vor dem Familiengericht ist und bleibt Präsenzpflicht. Alles andere können wir digital abwickeln — vom ersten Kontakt über das Ausfüllen des Online-Formulars, den verschlüsselten Upload Ihrer Unterlagen (Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder, Einkommensnachweise) bis zur Einreichung des Scheidungsantrags beim Gericht. Wir kommunizieren über sichere Wege; die elektronische Einreichung bei Gericht erfolgt über das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA).
Welche Unterhaltsarten sind im Scheidungsverfahren relevant?
Im familienrechtlichen Kontext unterscheiden wir vor allem drei Unterhaltsformen. Erstens: Trennungsunterhalt nach § 1361 BGB — er besteht ab räumlicher Trennung bis zur Rechtskraft der Scheidung. Zweitens: Kindesunterhalt für minderjährige Kinder, der sich an der Düsseldorfer Tabelle orientiert. Drittens: Nachehelicher Unterhalt, der nach der Reform des Unterhaltsrechts von 2008 vom Grundsatz der Eigenverantwortung geprägt ist (§ 1569 BGB) — er besteht nur bei Vorliegen konkreter Unterhaltstatbestände wie etwa Kinderbetreuung (§ 1570 BGB) oder Alter (§ 1571 BGB).
Wann ist ein Zugewinnausgleich zu berechnen?
Ein Zugewinnausgleich findet nur statt, wenn die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebten (§ 1363 BGB). Wer per Ehevertrag Gütertrennung oder einen modifizierten Güterstand vereinbart hat, ist davon nicht betroffen. Die Berechnung vergleicht Anfangsvermögen beim Tag der Eheschließung mit Endvermögen zum Stichtag der Antragszustellung. Der Ausgleichspflichtige schuldet die Hälfte der Differenz zwischen beidseitigen Zugewinnen. Erbschaften und Schenkungen während der Ehe gelten nach § 1374 Abs. 2 BGB als privilegiertes Anfangsvermögen — ihr Zuwachs während der Ehe kann aber ausgleichspflichtig sein.
Wie wird das Sorgerecht bei getrennt lebenden Eltern geregelt?
Auch bei Trennung und Scheidung bleibt die gemeinsame elterliche Sorge nach § 1626 BGB der Regelfall. Alltägliche Entscheidungen trifft derjenige Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt; Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung (wichtige Schulentscheidungen, größere medizinische Eingriffe, Wohnsitzwechsel über größere Distanzen) erfordern Einvernehmen beider Eltern. Kommt keine Einigung zustande, kann das Familiengericht entscheiden (§ 1628 BGB). Das Umgangsrecht des anderen Elternteils ist nach § 1684 BGB geschützt — es ist zugleich Recht und Pflicht.
Aus welchen Posten setzen sich die Kosten einer Online-Scheidung zusammen?
Drei Kostenblöcke kommen zusammen: Erstens die Anwaltsgebühren nach dem RVG — bei Online-Mandatierungen gewähre ich 30 Prozent Ermäßigung auf die Anwaltsvergütung. Zweitens die Gerichtsgebühren nach FamGKG, die sich ebenfalls am Verfahrenswert orientieren. Drittens optionale Nebenkosten, die nur bei besonderen Konstellationen anfallen — etwa bei Sachverständigengutachten oder bei notarieller Beurkundung einer Scheidungsfolgenvereinbarung. Den Gesamtkostenrahmen nenne ich Ihnen vor Mandatserteilung verbindlich. Verfahrenskostenhilfe nach §§ 76 ff. FamFG ist bei geringem Einkommen möglich.
Was bedeutet Verzicht auf den Versorgungsausgleich?
Nach § 6 VersAusglG können Ehegatten durch notariellen Ehevertrag oder gerichtlich protokollierten Vergleich Vereinbarungen über den Versorgungsausgleich treffen — bis hin zum vollständigen Ausschluss. Das Gericht prüft jedoch die Wirksamkeit: Eine Vereinbarung ist unwirksam, wenn sie einen Ehegatten einseitig unangemessen belastet. Ein Ausschluss kann in bestimmten Konstellationen sinnvoll sein — etwa wenn beide Ehegatten etwa gleich hohe Anrechte erworben haben. Beide Seiten sollten sich vor Abschluss einer solchen Vereinbarung anwaltlich beraten lassen.
Stand: Mai 2026